Wie sieht eine Stadt aus, in der keine fossilen Energieträger mehr verfügbar sind? Welche Rolle spielen erneuerbare Energien, Batteriespeicher, Forschung und gemeinschaftliches Zusammenleben? Und wie lassen sich solche Zukunftsfragen so vermitteln, dass Kinder und Jugendliche sie nicht nur verstehen, sondern selbst kreativ weiterdenken?
Diesen Fragen widmete sich Network Energy Talents e. V. am 26. Juni bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Dresden. Gemeinsam mit dem DiggiClub gestaltete NET im Zentralgebäude der HTW Dresden ein interaktives Bildungsformat für Schülerinnen und Schüler zwischen sechs und 16 Jahren. Im Mittelpunkt stand der Planet „Newtopia“ im Jahr 3000: eine Welt, in der keine fossilen Energieträger mehr zur Verfügung stehen und eine nachhaltige Stadt der Zukunft entstehen soll.
Zukunft spielerisch erfahrbar machen
Die Veranstaltung verband digitales Lernen, kreative Teamarbeit und konkrete Fragen rund um Energie, Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Zusammenleben. In insgesamt vier Sessions à 90 Minuten entwickelten jeweils zwölf Schülerinnen und Schüler eigene Ideen für Newtopia. Unterstützt wurden sie dabei vom DiggiClub mit vier Mitarbeitenden, darunter Gründerin Madlen Mollinger, sowie von zwei Personen aus dem NET-Netzwerk: Tobias Sachse aus dem Bereich Erneuerbare Energien bei SachsenEnergie und Sophie Rüger aus dem Personalbereich.
Ziel war es, junge Menschen niedrigschwellig an Zukunftsthemen heranzuführen. Statt abstrakter Wissensvermittlung stand das eigene Ausprobieren im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler sollten erleben, dass nachhaltige Stadtentwicklung viele Perspektiven braucht: technische Lösungen, erneuerbare Energiequellen, soziale Ideen, Forschung, Versorgung und Zusammenarbeit.
Die Lange Nacht der Wissenschaften bietet jedes Jahr die Möglichkeit, Forschung, Technik und Zukunftsthemen außerhalb klassischer Lernorte erlebbar zu machen. Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Bildungsakteure öffnen ihre Türen und laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, Wissenschaft praxisnah kennenzulernen. Für NET bot das Format einen passenden Rahmen, um junge Menschen frühzeitig mit Fragen rund um Energie, Nachhaltigkeit und berufliche Perspektiven in der Energiebranche in Kontakt zu bringen.
Ablauf: Von der Idee zur nachhaltigen Stadt
Jede Session begann mit einer rund 20-minütigen Einführung in das Spiel durch den DiggiClub. Anschließend sammelten die Teilnehmenden gemeinsam mit NET erste Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit. Dabei ging es unter anderem um Fragen wie: Was braucht eine Stadt, damit Menschen gut zusammenleben können? Woher kommt Energie, wenn fossile Brennstoffe nicht mehr verfügbar sind? Und welche Rolle spielen technische Innovationen für eine lebenswerte Zukunft?
Danach hatten die Schülerinnen und Schüler etwa 60 Minuten Zeit, ihre Stadt in fünf Teams zu bauen. Die Gruppen arbeiteten zu den Bereichen Forschung, Versorgung, Energie, Wohnen sowie Soziales. Begleitet wurden sie durch das Team des DiggiClubs und die Vertreter von NET. Im Verlauf der Sessions entstanden unterschiedliche Ideen für eine Stadt der Zukunft: von erneuerbaren Energiequellen über Speicherlösungen bis hin zu gemeinschaftlich gedachten Lebensräumen.
Zum Abschluss jeder Runde reflektierten die Teams ihre Ergebnisse. Welche Ideen konnten erfolgreich umgesetzt werden? Was hat nicht funktioniert? Wo hätte die Zusammenarbeit noch besser laufen können? Ergänzt wurde die Reflexion durch einen kurzen Impuls von NET, der den Bezug zur Energiebranche, zur Energiewende und zu beruflichen Zukunftsperspektiven herstellte.
Kreativität trotz Hitze
Trotz hoher Temperaturen und schwieriger räumlicher Bedingungen arbeiteten die Teilnehmenden konzentriert und mit großer Begeisterung an ihren Zukunftsstädten. Besonders sichtbar wurde der Lernfortschritt über die vier Runden hinweg: Die Schülerinnen und Schüler entwickelten ihre Ideen von Session zu Session weiter, griffen Impulse auf und setzten zunehmend komplexere Lösungen um.
Ein besonderer Moment war der Bau eines Gezeitenkraftwerks im Meer während der letzten Runde. Diese Idee zeigte, wie schnell junge Menschen technische Zusammenhänge aufnehmen, weiterdenken und in kreative Lösungen übersetzen können. Das Format machte deutlich: Wenn Nachhaltigkeit, Energie und digitale Lernwelten anschaulich zusammengebracht werden, entstehen Räume für Neugier, Teamgeist und Zukunftsdenken.
Insgesamt nahmen 48 Schülerinnen und Schüler an den vier Sessions teil. Damit erreichte das Format die definierte Zielgruppe sehr direkt und ermöglichte intensive Arbeit in kleinen Gruppen.
Zusammenarbeit mit dem DiggiClub
Die Kooperation mit dem DiggiClub erwies sich als unkompliziert, empathisch und fachlich überzeugend. Besonders positiv fielen das Engagement für digitales Lernen, das gute Gespür für die junge Zielgruppe sowie die sorgfältige Vorbereitung der Spielwelt auf. Die Liebe zum Detail in der Konzeption trug wesentlich dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler schnell in das Szenario eintauchen und eigene Ideen entwickeln konnten.
Für NET bot die Zusammenarbeit die Möglichkeit, Energiethemen in ein spielerisches, digitales Lernformat einzubetten. Dadurch wurden komplexe Fragen rund um erneuerbare Energien, Speichertechnologien und nachhaltige Versorgung greifbar.
Der DiggiClub entwickelt digitale Lern- und Erlebniswelten in Minecraft-Optik, in denen Kinder und Jugendliche Zukunftsthemen spielerisch entdecken können. Im Mittelpunkt stehen dabei Kreativität, Teamarbeit und digitale Kompetenzen. Für Newtopia brachte der DiggiClub nicht nur die technische und pädagogische Spielumgebung ein, sondern auch viel Erfahrung darin, komplexe Inhalte altersgerecht, motivierend und interaktiv aufzubereiten.
Vom Spiel zur echten Perspektive: Was Newtopia wirklich ausgelöst hat
Die Erfahrungen aus dem Format Newtopia zeigen nicht nur theoretisches Potenzial, sondern ganz konkret, wie stark interaktive, spielerische Bildungsangebote wirken können. Während der Sessions wurde deutlich, wie schnell die Teilnehmenden in die Rolle von Gestaltenden schlüpften: Aus ersten Ideen wurden innerhalb kurzer Zeit durchdachte Konzepte für Energieversorgung, Stadtplanung und Zusammenleben.
Für die beteiligten Partner bedeutete das Format mehr als nur eine klassische Bildungsaktion. Vielmehr ermöglichen sie unmittelbar zu erleben, wie gut sich komplexe Themen wie Energiewende, erneuerbare Technologien und Versorgungssicherheit in ein spielerisches Setting übersetzen lassen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass solche Formate eine echte Brücke schlagen können – zwischen Unternehmen, Nachwuchs und gesellschaftlichen Zukunftsfragen.
Viele der Teilnehmenden entwickelten im Verlauf der Sessions ein spürbares Verständnis dafür, wie eng technische, ökologische und soziale Aspekte miteinander verknüpft sind. Besonders auffällig war, wie selbstverständlich sie im Team arbeiteten, Ideen weiterentwickelten und Lösungen diskutierten und das, oft mit einer Ernsthaftigkeit, die man in diesem Alter nicht unbedingt erwartet.
Nachwuchsförderung funktioniert also dann besonders gut, wenn sie erlebbar wird. Die Energiewende braucht nicht nur Fachwissen, sondern Menschen, die vernetzt denken, kreativ handeln und Verantwortung übernehmen wollen. Genau diese Fähigkeiten wurden in den Sessions sichtbar und machen deutlich, welches Potenzial in solchen Formaten steckt.


