Strom aus Wind und Sonne, intelligente Netze, Speicher, Wasserstoff oder E-Mobilität: Unser Energiesystem verändert sich gerade grundlegend. Dafür braucht es nicht nur neue Technologien, sondern vor allem Menschen, die sie entwickeln, planen und umsetzen. Für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende entstehen dadurch viele Möglichkeiten, an echten Zukunftsfragen mitzuarbeiten.
Energiewende heißt: Es gibt jede Menge zu lösen
Wie lässt sich der Strom eines Windparks sicher bis dorthin transportieren, wo er gebraucht wird? Wie erkennt ein Stromnetz automatisch, wann besonders viel Energie eingespeist oder verbraucht wird? Wie können Batteriespeicher sinnvoll eingesetzt werden? Welche Rolle kann Wasserstoff für Industrie und Energieversorgung spielen? Und wie lassen sich Millionen einzelner Anlagen zu einem stabilen Gesamtsystem verbinden?
Mit solchen Fragen beschäftigen sich Menschen in der Energiebranche. Dabei geht es längst nicht nur um Kraftwerke, Stromleitungen oder riesige technische Anlagen. Digitalisierung und Automatisierung werden immer wichtiger. Daten müssen ausgewertet, Systeme programmiert und Stromnetze intelligent gesteuert werden. Technik, Informatik, Wirtschaft und Naturwissenschaften greifen dabei immer stärker ineinander. Deshalb werden Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Stärken gebraucht.
Welche Stärken sind gefragt?
In der Energiebranche zählen nicht nur technisches Wissen und gute Noten. Gefragt sind analytisches Denken, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, sich in neue Themen einzuarbeiten. Viele Aufgaben entstehen an Schnittstellen zwischen Technik, IT, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer komplexe Zusammenhänge verstehen, gemeinsam Lösungen entwickeln und offen mit Veränderungen umgehen kann, bringt deshalb wichtige Voraussetzungen mit.
Dieser Nachwuchs wird gebraucht
Gleichzeitig steht die Branche vor einer zusätzlichen Herausforderung: Viele erfahrene Fachkräfte werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.
Besonders deutlich zeigt sich das in der Elektro- und Informationstechnik. Nach Berechnungen des VDE werden bis 2029 mehr als 30.000 Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure mehr in den Ruhestand gehen, als Absolventinnen und Absolventen von den Hochschulen nachkommen. Für das Jahr 2027 erwartet der Verband beispielsweise rund 13.100 Renteneintritte, aber nur etwa 6.500 Studienabschlüsse.
Auch in vielen Ausbildungsberufen fehlen weiterhin qualifizierte Fachkräfte. Nach Angaben des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung konnten im Jahr 2025 allein in Handwerksberufen knapp 100.000 offene Stellen rechnerisch nicht passend besetzt werden. Besonders betroffen sind unter anderem Berufe der Bauelektrik sowie der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik – also Bereiche, die für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Energieinfrastruktur eine wichtige Rolle spielen.
Für junge Menschen mit technischem oder digitalem Interesse entstehen dadurch langfristig vielfältige Möglichkeiten – und Fachwissen wird an vielen Stellen gebraucht.
Zum Fachkräftebedarf kommt eine weitere Entwicklung hinzu: In wichtigen MINT-Studiengängen gehen die Studierendenzahlen zurück. Damit wird auch der Nachwuchs kleiner, der künftig technische Aufgaben in der Energiebranche übernehmen kann.
Auf diese Entwicklung weist auch Sven Kretzschmar, 1. Vorsitzender des Network Energy Talents e. V., in einem Interview mit der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) hin:
„In relevanten MINT-Studiengängen gehen die Studierendenzahlen dramatisch zurück, während Unternehmen genau diesen technischen Nachwuchs dringend benötigen.“
Sven Kretzschmar, Vorstandsvorsitzender des Network Energy Talents e. V.
Für Schülerinnen, Schüler und Studierende zeigt das zugleich, wie wichtig technische und naturwissenschaftliche Qualifikationen für die kommenden Aufgaben der Energiebranche sind.
Welche Berufe gibt es in der Energiebranche?
Die Energiebranche bietet Einstiegsmöglichkeiten in vielen technischen, digitalen, naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Je nach Ausbildung oder Studium unterscheiden sich die Aufgaben deutlich – vom Betrieb technischer Anlagen bis zur Planung großer Infrastrukturprojekte.
Typische Berufe und Tätigkeitsfelder sind zum Beispiel:
- Elektroingenieurin oder Elektroingenieur – etwa für Stromnetze, Netzplanung oder elektrische Anlagen
- Wirtschaftsingenieurin oder Wirtschaftsingenieur – an der Schnittstelle von Technik, Wirtschaft und Projektmanagement
- Informatikerin oder Informatiker – für Software, IT-Systeme, Datenverarbeitung oder digitale Netzsteuerung
- Data Scientist – zur Analyse von Energie-, Netz- und Verbrauchsdaten
- Elektronikerin oder Elektroniker für Betriebstechnik – für Installation, Wartung und Betrieb technischer Anlagen
- Mechatronikerin oder Mechatroniker – etwa in der Anlagen-, Betriebs- oder Automatisierungstechnik
- Projektmanagerin oder Projektmanager – für die Planung und Umsetzung von Energie- und Infrastrukturprojekten

Daneben gibt es zahlreiche Berufe, die man nicht auf den ersten Blick mit der Energiebranche verbindet. Denn moderne Energieversorgung besteht längst nicht nur aus Technik und Anlagenbau. Wetterdaten müssen ausgewertet, Standorte untersucht, rechtliche Vorgaben berücksichtigt und politische sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingeordnet werden. Deshalb arbeiten in der Branche auch Fachleute aus ganz anderen Disziplinen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Meteorologin oder Meteorologe – etwa für Prognosen von Wind- und Solarstrom
- Geowissenschaftlerin oder Geowissenschaftler – zum Beispiel bei Standortfragen oder Speichern
- Juristin oder Jurist – für Energierecht, Genehmigungen und regulatorische Vorgaben
- Politikwissenschaftlerin oder Politikwissenschaftler – etwa in Energiepolitik oder Stakeholdermanagement
- Kommunikations- oder Marktkommunikationsspezialist*in – für die Abstimmung zwischen Netzbetreibern, Energieversorgern und weiteren Marktpartnern
Hinzu kommen zahlreiche weitere Berufsbilder, etwa in Maschinenbau, Automatisierungstechnik, Naturwissenschaften, Planung oder technischer Beratung. Viele Aufgaben entstehen dabei an den Schnittstellen verschiedener Fachrichtungen.
Orientierung entsteht durch Einblicke
Gerade während der Schulzeit oder in den ersten Semestern ist oft noch nicht klar, welcher Berufsweg später passen könnte. Viele Tätigkeiten in der Energiebranche sind zudem schwer vorstellbar, solange man sie nur aus Studienmodulen oder Berufsbeschreibungen kennt.
Praktische Einblicke können deshalb helfen: Wie arbeitet ein Netzbetreiber? Welche Aufgaben übernimmt eine Wirtschaftsingenieurin? Wo werden Informatik, Elektrotechnik oder Datenanalyse konkret eingesetzt?
Solche Fragen lassen sich am besten im Austausch mit Menschen beantworten, die bereits in der Branche arbeiten.
Viele Aufgaben sind noch offen
Die Energiebranche verändert sich weiter. Stromnetze werden digitaler, erneuerbare Energien müssen stärker in das Gesamtsystem integriert werden und neue Lösungen für Speicher, Wasserstoff, Automatisierung und Datenanalyse entstehen.
Für junge Fachkräfte ergeben sich daraus vielfältige Einstiegsmöglichkeiten – in technischen, digitalen und wirtschaftlichen Bereichen.
Einblicke, Kontakte und Orientierung
Network Energy Talents bringt junge Menschen mit Hochschulen und Unternehmen aus der Energiebranche zusammen. Ziel ist es, früh Einblicke in Berufsfelder, Unternehmen und mögliche Karrierewege zu geben.
So kannst du herausfinden, welche Aufgaben zu deinen Interessen passen und welche Möglichkeiten die Energiebranche für deinen weiteren Weg bietet.
